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Lehrreicher Stadtteiltag in Zehlendorf-Süd zum Thema "Aufstieg für Alle - Gute Schulen, Chancen für Flüchtlinge, Integration mit Konzept"

Mein Stadtteiltag in Zehlendorf Süd vom 21.05 war eine besondere Veranstaltung für mich: Zehlendorf Süd ist mein Kiez, hier lebe ich seit 1981 und habe von hier aus begonnen, mich politisch zu engagieren. Deshalb hat mich das Thema, unter das wir den gesamten Stadtteiltag diesmal gestellt haben, nämlich der Umgang unseres Bezirkes mit Flüchtlingen, auch ganz persönlich bewegt.

 

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Für Steglitz-Zehlendorf ist die Konfrontation mit Menschen, die aus äußerst schwierigen oder unerträglichen Lebenssituationen geflohen sind, tatsächlich eine noch junge Erfahrung. Umso gespannter war ich, zu erfahren, was unternommen wird und wie die Versorgung funktioniert. Und wie heute die Weichen für eine gelungene Bildung, Integration und damit verbunden langfristig auch einen gesellschaftlichen Aufstieg dieser Menschen gestellt werden.

Begonnen hatten wir den Tag gemeinsam mit Raed Saleh, unserem Fraktionsvorsitzenden aus dem Abgeordnetenhaus, in der Süd-Grundschule in der Claszeile 56/57, eine verlässliche Halbtagsgrundschule mit Betreuung bis 13.30 Uhr und weiteren flexiblen Betreuungsangeboten. Die Schwerpunkte der Süd-Grundschule liegen in den Bereichen Sport und Technik/Naturwissenschaften.
Mit ihren 11 Klassen und 270 Schülern ist die Süd-Grundschule etwas kleiner und familiärer als andere Grundschulen im Kiez. Und sie ist, dank eines engagierten Rektors, vor allem sehr gut im Bereich der Integration von Flüchtlingskindern aufgestellt.
Um die Kinder der Flüchtlingsfamilien aus den umliegenden Unterkünften an der Schule integrieren zu können, wurden sogenannten "Willkommensklassen" eingerichtet. Hier lernen die Kinder in kleinen Gruppen zuerst einmal Deutsch, bis sie dann bei zunehmenden Sprachkenntnissen in die Regelklassen überführt werden können. Herr Peters, der Rektor der Schule, beschrieb die Einrichtung der Willkommensklassen an seiner Schule als Erfolgsmodell. Sowohl Lehrer, Kinder als auch Eltern hätten dem Ganzen von Anfang an positiv gegenüber gestanden und bisher gebe es, zu seiner positiven Überraschung, auch keine sozialen Konflikte. Trotzdem hatte er eine klare Forderung an die Politik mit dabei: Um wirklich nachhaltig positiv auf die Herausforderungen reagieren zu können, müssten langfristig auch einzelne Fachkräfte an den Schulen mit Willkommenklassen eine Zusatzausbildung in der Arbeit mit traumatisierten Kindern bekommen. Denn es müsse von vornherein verhindert werden, dass Konflikte in den Schulen ausbrechen, die nicht professionell aufgefangen werden können. Hiermit stehe und falle auch die Akzeptanz in der Elternschaft für die Willkommensklassen. Diese Forderung werde ich auf jeden Fall mitnehmen!

An dieser Stelle möchte ich auch noch eine ganz persönliche Kritik in diesem Bereich anbringen: Ich halte die Koordination im Bereich der Flüchtlingspolitik momentan noch nicht immer ganz geglückt: Haben die Flüchtlingskinder in den Grundschulen etwas Deutsch gelernt und sich in die Schulgemeinschaften integriert, steht für ihre Familien oft ein Umzug an und sie müssen wieder ganz von vorne damit beginnen, sich ein soziales Netzwerk aufzubauen. Das ist nicht immer ein Erfolg für am Schreibtisch geplante Integrationspolitik.

Umso mehr möchte ich in diesem Zusammenhang auf das Engagement von Bürgerinnen und Bürger aus unserem Bezirk verweisen, die die Integration von Flüchtlingen tatkräftig vor Ort unterstützen. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich in diesem Bereich sehr viel getan – vor allen Dingen unter dem Dach des Willkommensbündnisses Steglitz-Zehlendorf und unter der Federführung von Stadtteilzentren, lokalen Trägern und Einrichtungen wie beispielsweise dem Mehrgenerationenhaus Phönix, welches als nächstes auf unserer Tagesordnung stand.
Das Phönix gehört zum Träger Mittelhof e.V., der zahlreiche Einrichtungen in meinem Wahlkreis unter seinem Dach vereint. Vor einigen Jahren wurde das Gebäude im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhäuser umfassend modernisiert. Die Einbindung von Ehrenamtlichen in die Angebote des Hauses verläuft hier, wie uns Herr Lehmann, der Leiter der Einrichtung, berichtete, sehr professionell. Kompetenzen werden hier an der Stelle eingebracht, wo sie die Arbeit fachbezogen weiter voranbringen können. Wichtig dabei ist auch die Verlässlichkeit: Je länger man Ehrenamtliche an das Haus binden kann, desto sinnvoller können diese sich einbringen.
Auch das Phönix hat schnell auf die neue Situation in Zehlendorf-Süd reagiert. Es gehört hier mittlerweile zum Alltag, dass die Menschen aus den umliegenden Unterkünften kommen und an den Angeboten teilnehmen. Vor allem für die Kinder und Jugendlichen ist das Phönix so zu einer festen Anlaufstelle geworden. Dies gilt ebenso für die Jugendfreizeiteinrichtung Streetlife (Zephir e.V.), die wir im Anschluss besuchten. Auch hier funktioniert es problemlos, die Kinder aus den Flüchtlingsfamilien in das bestehende Angebot zu integrieren.

Zum Abschluss unserer Besuchstour ging es dann in die Flüchtlingsunterkunft in der Goerzallee. Seit August vergangenen Jahres stehen hier 200 Plätze zur Verfügung, betrieben wird die Unterkunft in privater Trägerschaft der GIERSO Boardinghaus GmbH. Hier können die Menschen in der Regel bleiben, bis über ihren Asylantrag entschieden worden ist.
Das, was wir bis hierhin bereits auf unseren unterschiedlichen Stationen gehört hatten, wurde uns auch in dieser Unterkunft bestätigt: Trotz der schwierigen Situation der Menschen aufgrund der Erfahrungen, die hinter ihnen liegen aber natürlich auch aufgrund der Bedingungen in einer solchen Unterkunft (das lange Warten, ohne selbst arbeiten zu dürfen, das Leben auf engstem Raum, die fehlende Perspektive) – die Menschen arrangieren sich friedlich mit ihrer Situation und die Zusammenarbeit mit dem Willkommensbündnis funktioniert, die Hilfsbereitschaft der Anwohner ist groß. Aber trotz dieser erstmal positiven Ausgangslage: Eine Flüchtlingsunterkunft ist und bleibt ein bedrückender Ort, da wir alle wissen, dass diese Form der Unterkunft für die Menschen und ihre Integration in unsere Gesellschaft nicht optimal ist.

Eine sehr positive Nachricht aus der Sozialverwaltung war ja in diesem Zusammenhang, dass wir als Land Berlin momentan auf Hochtouren daran arbeiten, selbst als Anbieter von Flüchtlingsunterkünften aufzutreten – von einem "Paradigmenwechsel" war im Rahmen einer Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus gar die Rede. Da braucht es dann keine für eine angemessene Wohnunterkunft äußerst fraglichen Turnhallen-Schlafplätze mehr und müssen keine privat-kommerziellen Träger mehr im großen Stil beauftragt werden. Stattdessen werden Fertigteilhäuser und modulare Wohncontainer errichtet, die Ausschreibungen für die baulichen Leistungen dazu laufen und gemeinsam mit den Bezirken werden derzeit Standorte ausgewählt.
Ich denke, dass diese neue Strategie wirklich sinnvoll ist, um mit der Integration von Flüchtlingen gleich richtig zu beginnen und sie nicht unnötigerweise hin- und herziehen zu lassen. Auf diese Weise würden Sie auch in unserer Mitte Nomaden bleiben und das wollen wir nicht. Mit der Strategie einer Neuerrichtung fester Standorte für Flüchtlingsunterkünfte können wir uns in den Reihen der SPD-Fraktion auf breiten Konsens stützen.

Am Abend konnten wir dann – noch einmal als Gäste im Mehrgenerationenhaus Phönix – gemeinsam mit Raed Saleh den Tag Revue passieren lassen und konnten dabei feststellen, dass die Flüchtlingspolitik in meinem Wahlkreis in die richtige Richtung geht: Integration von Beginn an, vor allem der Kinder in das Bildungssystem! Die Fehler der Vergangenheit, so Raed Salehs eindringlicher Appell, dürfen von uns heute nicht mehr wiederholt werden. Menschen, die zu uns kommen, müssen vom ersten Tag an die Möglichkeit bekommen, teilzunehmen, die Sprache zu erlernen, durch Bildung eine Perspektive zu entwickeln.
Mein Eindruck des Tages war: Wir sind hier politisch auf dem richtigen Weg, zu tun bleibt allerdings noch viel!

Ihre Irene Köhne

Impressionen vom Stadtteiltag von Irene Köhne in Zehlendorf Süd am 21.05.2015



Station 1: Süd-Grundschule



Station 2: Mehrgenerationenhaus "Phoenix"



Station 3: Jugendfreizeiteinrichtung "Streetlife", Teltower Damm 228 (Zephir e.V.)



Station 4: Wohnheim für Flüchtlinge in der Goerzallee (Gierso Boardinghaus GmbH)



Abendveranstaltung: Diskussionsrunde mit Raed Saleh im Mehrgenerationenhaus "Phoenix"

 
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